Mit dem Apus 1 in den französischen Seealpen


Mitte März machten sich einige, von dem langen Winter ausgehungerte, Segelflieger unseres Vereins auf den Weg in die Haut Provence nach Gap-Tallard. Hier kann man schon sehr früh im Jahr die Kraft der wärmenden Sonne und die dadurch entstehende Thermik genießen. Durch das besondere Micro-Klima und etwa 300 Sonnentage im Jahr, ist fliegen hier fast immer möglich.
Die grandiose Landschaft, das angenehme Klima und die vielen kleinen verträumten Dörfer in der Gegend lassen auch das Herz der mitgereisten „nicht fliegenden Apus Mitgliedern“ höher schlagen und die Tage hier, auch für sie, zu einem ganz besonderes Erlebnis werden. 
Wie es sich für einen entspannten Urlaub gehört, wurde der Tag mit einem gemeinsamen Frühstück, welches wirklich keine Wünsche offen ließ, begonnen. Um 10.30 Uhr das Briefing bei Philippe. Er macht das wirklich gut und verständlich, die Wetterprognosen sind sehr genau und er gibt seine große Erfahrung gerne weiter. Anschließend wird in aller Ruhe der APUS 1 aus seinem „Schlafanzug“ geholt und an den Start gebracht, bei etwa 25 bis 30 Segelfliegern geht das alles sehr entspannt zu.

An normalen Tagen beginnen die ersten Starts mit einsetzen der Brise`, ca. 11:30 Uhr und weil Philippe 3 Schleppmaschinen einsetzt, sind nach etwa eineinhalb Stunden alle in der Luft. Das Panorama ist schon im F-Schlepp einfach gigantisch und je höher man steigt umso grandioser wird der Ausblick.
Der F-Schlepp ist etwas ruppig, die schon sehr kräftigen Thermikblasen an den Gräten schütteln uns ordentlich durch. Die Schlepppiloten, allesamt Segelflieger, nutzen diese Aufwinde und bringen uns zügig in einen schönen Bart. Nach den ersten Kreisen und dem fröhlichen Jubeln des Varios beruhigt sich der Herzschlag wieder und die Anspannung macht dem wunderbaren Gefühl Platz das jeder Segelflieger kennt…“der Winter ist vorbei!!“

Das Gefühl für den Flieger kommt sehr schnell, es ist ein wahrer Genuss wie leichthändig man mit diesen 20 m Flügeln umgehen kann. Der alte DUO war schon ein tolles Flugzeug, aber dieser XLT ist wirklich eine Klasse besser.
Respektvoll fliegen wir an den Felswänden entlang, steigen im Hangwind den Berg hinauf, kreisen über den Gräten und gleiten mit hoher Geschwindigkeit zum nächsten Aufwind und immer wieder dieses Panorama. Das Fliegen zu zweit hat was, man kann sich abwechseln, auch mal zurücklehnen und einfach nur die Landschaft genießen, Bilder machen und sich unterhalten. So erlebten wir schöne und aufregende Flüge in der Umgebung von Gap.
Das ganz besondere Highlight aber kam zum Schluss.
Angesteckt durch Philippes morgendliches Wellenbriefing, beschlossen Burghard und ich, zusammen im dem DUO zu fliegen. Entgegen der sonst üblichen Startrichtung, wurde von der Südseite des Platzes gestartet. Der Mistral war am Boden schon sehr stark durchgebrochen und so waren die Schlepps, selbst in einem schweren Doppelsitzer, ein wahrer Teufelsritt. Die 235PS Morane schleppt uns an die Nordseite des Malup, wir klinken in 1500m/msl, erwischen erst einen ruppigen Bart und dann den Rotor. Sehr eng kreisend steigen wir in diesem zerrissenen Auf und Ab des Rotors nach oben.
In etwa 2000 m sind wir in der Welle, sie ist sehr schwach und bringt uns mit einem halben Meter auf etwa 2200 m. Wir fliegen Richtung Norden gegen den Wind vor, dieser bläst uns hier schon mit etwa 90 Km/h entgegen, entsprechend geht es abwärts. Es ist blau, keine Fluse zeigt den Weg. Je weiter weiter wir runter kommen umso turbulenter wird es, aber es sind nur Verwirbelungen von den Gräten unter uns, nicht zu zentrieren. Und so finden wir uns finden wir uns, eine halbe Stunde nach dem Start, in 400m über Grund wieder…..hm?
Wir versuchen es nochmal am Hang, das Fahrwerk war schon fast draußen, da beginnt der Hang zu tragen, erst ganz schwach dann immer besser und plötzlich eine Ablösung wir drehen den Duo ganz eng rein und es geht mit 1,5 m entlang der Nordseite des Malup wieder nach oben. An exakt derselben Stelle wie vorher treffen wir auf den Rotor und dieser spült uns im Schnellwaschgang hinauf in die Welle. Jetzt geht die Welle richtig gut, mit 1,5 bis 2 m geht es ganz ruhig nach oben. War es eben noch richtig schweißtreibend und anstrengend so fällt jetzt alle Anspannung ab und weicht einem irren Glücksgefühl. Von der Welle sanft nach oben getragen zu werden ist ein wahrer Genuss.
In knapp 4400m gibt die Welle auf, wir fliegen mit hohem Tempo vor, verbraten nochmal 1500 Höhen Meter und diesmal treffen wir den Rotor voll. Nur eine kleine Schleife und wir sind in der Welle, das Vario überschlägt sich fast, mit 4,5m geht’s jetzt aufwärts.
Wir sind jetzt 5000m hoch das Panorama ist atemberaubend, im Norden sieht man den Mount Blanc, im Westen das Rhone-Tal, im Osten den Monte Viso … das ist Red Bull für die Endorphine eines Segelfliegers.

Wir reiten die Welle nach Osten bis zum Lac de Serre-Poncon und wieder zurück mit über 200Km/h fast ohne zu sinken, in diesem Flieger ein wahrer und leiser Traum.

Wir gleiten bis 3600m ab finden den Einstieg in die Welle wieder und werden mit zeitweise über 8m! nach oben katapultiert, einfach herrlich.
So langsam klettert die Kälte dann doch in unser Cockpit und wir gleiten, umgeben von diesem einzigartigen Panorama nach Süden zum Lure. Die Haut Provence liegt wie eine Landkarte vor uns und am Horizont die Rhone Mündung … Segelfliegerherz was willst du mehr ...
Leicht verfroren, doch überwältig von den Eindrücken dieses Fluges, landen wir am Abend in wieder in Gap und das breite Grinsen in unseren Gesichtern wird nur noch durch die Ohren begrenzt.

Ein bisschen philosophieren mit den andern Segelfliegern, den DUO wieder in die Bezüge gesteckt und verzurrt, fertig. …nicht ganz, das Kärtchen bei Philippe nicht vergessen! (man gibt dem Schlepppilot sein Pilotenkärtchen vor dem Start und holt es abends bei Philippe wieder ab, so weiss er, dass alle wieder zurück sind)
Einer schönen Tradition folgend treffen wir uns anschließend auf dem Marktplatz von Tallard.
Hier, vor einem Café in der Abend Sonne sitzend und den letzten Segelfliegern beim Landen zusehend, gibt es dann noch ein frisch gezapftes Bierchen auf den wunderschönen Flug.

Der Abend vereint dann alle, die fliegenden und wandernden Apus-Mitglieder, wieder an einen Tisch.

Was gibt es schöneres als nach einem solchen Tag, gemeinsam mit Freunden an einem Tisch zu sitzen, gutes Essen und ein Gläschen Wein zu genießen, das Erlebte Revue passieren zu lassen und Pläne für den nächsten Tag zu schmieden.

Auf Wiedersehen, nächstes Jahr in Gap. Herry

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