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 Verein zur Förderung des Streckensegelfluges. 

JWGC 10 Litauen-Pociunai

von Robin Diesterweg

Auf der deutschen Junioren Meisterschaft in Marpingen habe ich mich im letzten Jahr mit einem 3. Platz zum zweiten Mal für eine Junioren Weltmeisterschaft qualifizieren können. Diesmal allerdings auf dem heimischen Kontinent und nicht im fernab gelegenen Australien. Das machte die Vorbereitung natürlich vergleichsweise einfacher und es war praktisch wie jeder andere Wettbewerbe, nur dass man eben ein paar Kilometer mehr fahren muss.

Das traf sich gut, da ich auch zeitlich nicht viel mehr an Vorbereitung hätte treffen können. Lediglich im Winter konnte ich 2 Wochen in Namibia fliegen, danach kam es nur noch zu drei weiteren Segelflügen in Deutschland. Aber dafür hatte ich ja in meinen 2 Jahren zuvor als Sportsoldat einiges geflogen und hatte immer noch einen guten Trainingsstand.

Das größte Problem war ein geeignetes Flugzeug für den Wettbewerb zu finden. Glücklicherweise konnte mit Hilfe einiger Vereinskameraden auch dieses Problem eine Woche vor Abfahrt gelöst werden, um jedoch einen für mich passenden Schwerpunkt zu erfliegen, reichte die Zeit allerdings nicht mehr.

Ansonsten kam ich mit dem Flugverhalten der Std. Libelle ganz gut zurecht, wenn auch das kleine Seitenruder sehr gewöhnungsbedürftig ist, da man sich hier wirklich sehr sicher sein muss, wenn man einkreist, denn ein Kreiswechsel fühlt sich eher nach Offener Klasse an.

Am Sonntag den 23.08 ging es dann gegen 10 Uhr morgens in Neumagen los, 1800km in Richtung Osten. Bis Warschau lässt es sich problemlos auf perfekter Autobahn fahren, allerdings sind es von dort bis nach Litauen-Pociunai Flugplatz dann noch langwierige 5 Stunden über schlechte Landstraßen. Mit kleiner Schlafpause und 20 Stunde Fahrzeit sind wir dann am Montagmittag angekommen, das Wetter sah die nächsten Tage leider erstmal nicht nach fliegen aus. Was mir so gar nicht passte, da ich extra eine Woche vorher angereist bin um noch die Trainingstage zu nutzen und den Schwerpunkt anzupassen.

Die technische Abnahme lief prima, da ich das maximale Referenzgewicht der Std. Libelle von 328kg mit 327,5kg ziemlich perfekt getroffen hatte. Allerdings, wie sich im Laufe des Wettbewerbs rausstellte, war der Flieger deutlich zu kopflastig.

Zum Wettbewerbsgebiet kann man sagen, dass es alles sehr ländlich ist. Von vielen Seen und großen Waldgebieten geprägt, war die Landschaft schön anzusehen. Das große Problem allerdings, die Außenlandesituation. Das Land ist komplett „krumm und bucklig“, ebene Felder sind fast nicht auffindbar. Das machte die Fliegerei dort sehr anspruchsvoll und führte auch während des Wettbewerbs zu zahlreichen Außenlandeschäden an den Flugzeugen. Diese konnten meist jedoch über Nacht, von der am Flugplatz ansässigen Firma LAK, repariert werden.

Hinzu kam, dass das Wetter meist sehr schwierig war, insbesondere da der Wind im Schnitt mit 40-50 km/h über das Land wehte. Mit einer Std. Libelle war es da alles andere als einfach, vorwärts zu kommen. Desweiteren waren die Basishöhen auch eher mager, woraus sich mit dem starken Wind und der schwierigen Außenlandesituation eine sehr geringe Arbeitshöhe ergab. Umso wichtiger war es daher, immer einen genauen Plan mit möglichen Optionen zu haben. Hier stellte sich unser Team als entscheidender Vorteil heraus, da wir mit unserer Erfahrung gemeinsam sehr gute Entscheidungen trafen.

Am 2. Wertungstag flogen wir auf dem 2. Schenkel entgegen einer aufziehenden Front, die die Thermik deutlich beeinträchtigte. Dies führte dazu, dass alle tief in einem Pulk zusammentrafen und so bei einem Gegenwind von 40 km/h bis zur 2. Wende kriechen mussten. Um danach wieder mit Rückenwind in dem schwachen steigen kurbeln zu können, musste man die Wende also ganz klar so tief wie möglich nehmen. Nach der Wende war das schlechte Wetter aber schon dermaßen schnell reingezogen, dass kaum mehr was ging, aber mit 40 km/h Rückenwind reicht ja erstmal jedes noch so kleine Steigen.

Als ich dieses schließlich gefunden hatte, musste ich leider feststellen, dass ich leider gar nicht stieg, während die anderen mit 0.1m/s langsam an Höhe gewannen. Dies lag wohl zum einem an dem zu weit vorne gelegenen Schwerpunkt, der es mir nicht ermöglichte unter 90 km/h zu kurbeln, sowie an meiner fehlenden Übung mit dem Flugzeug. Denn in solch einer niedrigen Höhe bei so starken Turbulenzen und starkem Wind, fordert es einem handwerklich alles ab, ein so kleines Steigen effektiv auszunutzen.

Also kam es, wie es kommen musste und ich machte als einer der ersten eine Außenlandung und das bereits am zweiten Tag. Damit war der Wettbewerb für mich eigentlich schon gelaufen. Jedoch kamen auch alle anderen nur 100 km weiter und nach Hause schaffte es keiner. Somit verlor ich immerhin nur 400 Punkte an diesem Tag, was mich dann aber natürlich erst einmal auf den 31. Platz in der Wertung zurückwarf. 
Das Gute an so einer Position ist es aber, dass man eigentlich nichts mehr verlieren kann und nur noch aufholen kann. Das macht einem das Fliegen von der mentalen Seite her viel entspannter. So kam es dann auch, dass ich kontinuierlich jeden Tag aufholen konnte und auch zugleich immer mehr wieder in das Wettbewerbsfeeling reinkam und immer vertrauter mit dem Flugzeug wurde.

Die kommenden Wettbewerbstage waren alle sehr schwierig, da die Wettbewerbsleitung immer das Maximum des Tages ausreizte. Das führte meist leider dazu, dass das komplette Feld von 80 Flugzeugen auf dem Acker steckte. Die Rückholtouren aus dem Nationalpark an der Polnischen Grenzen, indem es kaum Straßen gibt dauerten meist gute 7 Stunden und waren ein Abenteuer für sich.
Aber insbesondere der letzte Tag brachte einen tollen Abschluss. Hierzu mein OLC-Flugkommentar:

„Als es morgens beim Briefing hieß, dass die Auslösetemperatur 34 Grad beträgt und eine sehr aktive Front im Anmarsch ist, dachte erst einmal keiner, dass wir fliegen würden.“

Doch als am Nachmittag tatsächlich die Temperatur erreicht war, setzte die Thermik schlagartig ein und die sowieso schon strammen 30-45 km/h Wind wurden noch einmal deutlich kräftiger. Die Front stand nun schon deutlich sichtbar im Wettbewerbsgebiet, allerdings auch mit einer bis dahin nur zu erahnenden Konvergenzlinie.
Also wurde schnellstmöglich das ganze Feld mit den 12 Wilgas hochgeschleppt.
Nach meinem Ausklinken war es erstmal schwierig, bei dem starken Wand einen vernünftigen Bart zu finden. Beim Vorflug auf der Suche nach einem besseren Bart bin ich dann erstmal gnadenlos vom Himmel gefallen und konnte mich gerade so vor der Wiederlandung retten, indem ich mich aus 200m neben dem Platz hocharbeiten musste. Bei derzeit 45km/h Wind und 35 Grad alles andere als einfach. 
Danach ging es rauf bis auf 2100m und man konnte auf dem ersten Schenkel wunderbar eine Konvergenz entlangfliegen.
Auf dem Endanflug wurde es dann nochmal sehr schwierig, da der Flugplatz nun von einer kompletten Schauerlinie umgeben war. 

Kurz nach der Landung dann schnell die Flieger in die Hänger gepackt, begann es unmittelbar danach ein mächtiges Gewitter mit Hagel und jede Menge Niederschlag über den Platz zu fegen, wodurch das komplette Stromnetz in der Region für mehrere Stunden lahm gelegt worden war.
Alles in allem ein echt aufregender letzter Tag.

Der für uns als Team hervorragend verlief, da sich der bis dato Führende Pilot in der Clubklasse an dem Tag auf den Acker setzte und somit unser Julian Klemm auf Platz 1 rutschte und damit Weltmeister wurde. Gefolgt von Stefan auf dem 3. Platz und mir auf dem 7. Platz.

Desweiteren wurden wir wieder einmal Team-Weltmeister, was auch abgesehen von den hervorragenden deutschen Piloten, das Ergebnis der intensiven Bemühungen und Engagement der gesamten Teamleitung ist. Die schon im Frühjahr auf der Wasserkuppe beim Teambuilding mitsamt Sportpsychologe anfing. Auch unser Meteorologe dessen exzellente Wettereinschätzung uns sicherlich den ein oder anderen Tag deutlich einfacher machte hat uns zu dieser Leistung verholfen.

Anmerkung Admin:

Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle nochmal an Robin und ab er auch an Julian und Stefan und dem Rest des Teams für diese hervorragende Leistung und zum Titel Weltmeister und Teamweltmeister!!

 

 

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